2. Erkundungsexpedition nach WEST-PAPUA im Mai 2025
Baliem Valley (Hochland), Asmat (Tiefland) und Raja Ampat (Inseln)
(als Blog „von unten nach oben“ zu lesen – inzwischen ist auch alles bebildert)
(das Reisetagebuch der Freundeskreisreise nach INDONESIEN im April 2025 zu Orang Utans und Komodo-Waranen findet Ihr zurzeit unter „Reisetagebuch“ – bis ich wirklich verstanden habe, wie man hier neue Rubriken anlegt)


Jakarta Airport, Mo. 2.06.25
Abschluss der Papua-Erkundung –
und ein Fazit
Liebe Leute,
wir befinden uns auf der Rückreise von Papua nach Bangkok und haben gerade eine mehrstündige Pause am Flughafen von Jakarta, so dass ich kurz für Tagebuch und Fazit Zeit habe:
Auch die letzten Tage blieben spannend – am Samstag machten wir eine abschließende wunderschöne Wanderung an den Hängen des Baliem-Tals zu einem im Bergdschungel versteckten kleinen Dorf unter einer dräuenden Felswand. In manchen Dörfern des Tals wird seit Jahrhunderten die Mumie eines einstigen heldenhaften Anführers verehrt – sie nimmt an allen wichtigen Ältestenratssitzungen teil. Hier haben sie keine Mumie – aber einen Geist, der sie schützt, solange sie ihn angemessen ehren. Dazu gehört, dass wir Fremden der Hütte, in der er wohnt, nicht zu nahekommen – was wir gern respektieren. Dafür dürfen wir den Palisadenzaun übersteigen und werden ins Männerhaus eingeladen, um gemeinsam etwaige künftige Treffen zu besprechen: Mir wird bedeutet, dass das Dorf sich freuen würde, wenn es gelegentlich Besuch bekäme von den hier selten erscheinenden, gleichwohl offenkundig geschätzten weißen Aliens. Es ist seltsam, wie schüchtern sie mir gegenüber sind – indonesische Migranten kennen sie, aber „richtige“ Weiße sind doch eine Rarität in ihrer Welt, und schlechte Erfahrungen (wie so oft andernorts) konnten sie mit uns glücklicherweise noch nicht machen.




So schmieden wir Pläne für den Fall, dass ich eine Freundeskreisreise hierher organisieren kann: Sie wollen uns dann gern empfangen und bewirten, so dass wir lernen können, wie man einen Erdofen bestückt und darin ein schmackhaftes Essen zubereitet – authentischer geht nicht.
Die Wanderung raus aus dem Wald führt in der hier milden Sonne entlang eines Bachlaufs über blühende Wiesen – was für ein unerhörtes Privileg, dies alles hier so erleben zu dürfen..!!


Gestern Sonntag 1.06.25 besprechen wir mit unserem Guide Ray die Einzelheiten etwaiger Gruppenplanung und fliegen schließlich entlang der Cordillere und über das Tiefland zur Nordküste zurück nach Jayapura, wo wir uns inzwischen ganz zuhause fühlen – der Rest des Abends besteht aus Packen, denn heute Montag 2.06. geht es früh wieder zum Flughafen. Unser Flug nach Jakarta ist ordentlich verspätet – aber diesmal reicht die von mir eingeplante Pufferzeit: Nach 5 Stunden Flug über die Sunda-See und durch zwei Zeitzonen erreichen wir Jakarta – von hier geht es heute Abend weiter nach Bangkok.
Fazit:
Papua ist – entgegen dem gängigen Vorurteil – von zumeist überaus freundlichen Menschen bewohnt und auch gut mit Booten und kleinen Flugzeugen zu bereisen (Straßenverbindungen gibt es tatsächlich nicht). Das Problem ist die mögliche (in unseren Augen) „Unzuverlässigkeit“ der Einheimischen bei Verabredungen – man hat hier halt Zeit, aber keine Uhren, und kann mit der minutengenauen Pünktlichkeit westlicher Prägung wenig anfangen. Wir hoffen jedoch, diesmal belastbare Kontakte aufgebaut zu haben, die diesen Unterschied kennen und zu berücksichtigen wissen.
Das Wetter hat dieses Jahr wie erwartet mitgespielt: Kein El Niño, und die Regenzeit ist hier im Mai bereits vorüber. Da Weiße in Papua eine bestaunte Rarität sind – ich habe in der ganzen Zeit keinen anderen Alien hier gesehen, nicht mal in den Fliegern – sind die Einheimischen teils schüchtern, teils neugierig, aber zurückhaltend. Nur in Raja Ampat sieht man westliche und asiatische Tauchtouristen, die freilich ihrerseits regelmäßig über Bali und Sulawesi direkt in den Archipel kommen, ohne einen Fuß auf das Papua-Mainland zu setzen.
Nach nunmehr zwei Erkundungsbesuchen bin ich jedoch überzeugt, ein aufschlussreiches Programm auf die Beine stellen und es mit den mir nun bekannten Guides und Agenturen auch durchführen zu können. Ich hoffe, dass wir schon im kommenden Jahr (Mai 2026) eine erste Gruppe durch das milde wildromantische Hochland und das wilde warme Tiefland Neuguineas führen und im farbenfrohen Raja Ampat Archipel schnorcheln können. Sobald ich in Bangkok bin, setze ich mich an die Ausarbeitung und hoffe, noch in diesem Sommer das Angebot dem Freundeskreis unterbreiten zu können. Bis dahin mit herzlichstem Gruß (in Eile: Bangkok wird gerade aufgerufen)
Thomas + Phet 🙂 🙂


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Wamena, Freitag 30.05.25
Die Highlands: Bei den Dani im Baliem Valley

Liebe Leute,
wir sind noch unterwegs – zurzeit im zentralen Papua-Hochland auf 1.600 m Höhe im Baliem Valley, benannt nach dem Fluss, der sich hier ganz friedlich hindurchschlängelt, bevor er wild tosend ins Tiefland abfällt.
Schon unsere Anreise begann abenteuerlich: Am letzten Montag 26.05.25 verließen wir mit dem Frühflug Sorong Richtung Jayapura und kamen bald in eine Schlechtwetterfront, die uns ordentlich durchrüttelte. Als sich der Landezeitpunkt näherte, zeigte Google Maps uns aber wieder über Sorong an – ich zweifelte an der Verbindung, aber nach der Landung wurde uns mitgeteilt, dass wir gerade wohlbehalten in Sorong gelandet seien. Erst auf Nachfrage wurde uns mitgeteilt, dass wir wegen des Sturmtiefs hatten umkehren müssen und nun vor Weiterflug eine Wetterbesserung abwarten müssten.
So verbringen wir den Tag auf dem Flughafen, und ich nutze die Zeit, unseren für heute Nachmittag gebuchten Anschlussflug nach Wamena (Papua-Hochland) auf morgen umzubuchen. Erst am späten Nachmittag Flug nach Jayapura, Landung dort am Abend, Hotel mit viel Zeit um unsere Sachen für die Kühle des Hochlandes umzupacken.
Dienstag früh endlich unser Flug nach Wamena im zentralpapuanischen Hochland: Das schmuddelige Last-frontier-Städtchen hat sich um eine Runway im Hochlandtal des Baliem Valley entwickelt, denn eine Straßenverbindung gibt es bis heute nicht. So wird alles eingeflogen und ist entweder entsprechend teuer, oder nicht vorrätig: Bier gibt es z.B. überhaupt nicht (angeblich werden die Ureinwohner unter Alkoholeinfluss noch rebellischer als sie es eh schon sind). Dafür ist das Klima auf 1.600 m Höhe ausgesprochen angenehm nach zwei Wochen Tieflandhitze. Die Berge, die das flache Tal umgeben, übersteigen 3.000 m und stellen mit der Carstensz-Pyramide (4.884 m) den höchsten Gipfel Ozeaniens.

Dieses Tal wurde übrigens erst 1930 bei einem Überflug eher zufällig entdeckt, als die übliche Wolkendecke aufriss und der Pilot zu seiner Verwunderung landwirtschaftlich bestellte Ackerflächen erkannte – in einem Gebiet, in dem man sonst nur steinzeitliche Stämme auf Jäger-und-Sammler-Niveau erwartete. Tatsächlich hatten die hier ansässigen Dani im flachen fruchtbaren Tal die Landwirtschaft unabhängig erfunden – ihre Kultur war gleichwohl steinzeitlich: Palisadengeschützte Dörfer mit Kriegerstämmen, die sich gegenseitig befehdeten (und aßen); die Frauen Oben-ohne in Baströcken, die Männer nur mit „Kotekas“ genannten Penis-Hüllen aus einer länglichen Kürbisfrucht bekleidet.

Die christliche Mission hat aus den Kannibalen jedoch längst gute Christen gemacht: In Wamena laufen heute nur noch sehr wenige (alte) Männer von Außerhalb so rum – ansonsten trägt Mann (und Frau) Hose und Pulli, freilich nur das eine Paar, welches sie aus einer Kleidersammlung besitzen. Dabei sehen die melanesischen Papua den australischen Aboriginees ähnlich und wirken oft zunächst finster verschlossen – sobald man sie freundlich grüßt, hellen sich ihre Gesichter aber auf, und sie schütteln einem die Hand mit einem warmen „Wah-wah-wah“ (gern auch noch mehr Wiederholungen) zur Begrüßung. Oft läuft ihnen dabei der rote Saft von Betelnüssen aus dem Mund, die sie offenbar von kleinauf kauen, was unwillkürlich blutige Assoziationen weckt.
Unser Guide Ray, ein waschechter Papua mit guten Englisch-Kenntnissen, holt uns am Flughafen ab und bringt uns zum Hotel. Wir verabreden gleich unsere für diesmal geplanten Wanderungen im Tal zu verschiedenen Dani-Dörfern und machen uns schon bald auf den Weg.


Die letzten Tage sind wir also kreuz und quer durchs Tal gewandert und haben verschiedene Dani-Dörfer besucht. Die Gegend ist wunderschön wildromantisch: Man wandert durch sattgrünen Dschungel entlang von Flussläufen und über Lichtungen mit bestellten Feldern, auf denen die Dorfbevölkerung gemeinsam arbeitet. Um so weiter weg man von Wamena kommt, desto häufiger trifft man Dani auch noch in traditioneller „Kleidung“ an – gestern überraschten wir einen Trupp Männer beim Wiederaufbau ihres Wachturms (ein Sturm hatte das morsche Holzgerüst gekillt) in traditioneller Koteka und malerischem Schmuck mit Nasenknochen (oft der Hauer eines Ebers durch ein Loch in der Nasenscheidewand gezogen). Zwei Frauen in Baströcken brachten uns zu einer Salzquelle in den nahen Bergen, wo ein Bach nach dem Durchlaufen einer Salzlagerstätte salzgesättigt aus dem Berg tritt und die Frauen mitgebrachte Bananenstaudenstrünke zerfaserten, mit dem Salzwasser tränkten und trockneten, so dass die gesalzten Fasern ins Dorf gebracht und dort mitgekocht werden.



Morgen Samstag 31.05. werden wir ein weiteres Dorf besuchen, in welchem ich für etwaige Freundeskreisgruppen eine Art Schweinefest verabreden will, bei dem die Dani uns zeigen, wie man Feldfrüchte wie Yams und Taro-Wurzeln in Erdöfen schmackhaft zubereitet. Am Sonntag 1.Juni werden wir zurück nach Jayapura fliegen, um am Montag 2.06. unsere Flüge nach Jakarta und schließlich zurück nach Bangkok zu erreichen.
Dann wird es hier wohl noch ein Fazit geben –
bis dahin ganz herzliche Grüße grad noch aus der „Steinzeit“,
Thomas + Phet 🙂 🙂


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Sorong, Sonntag 25.05.25
Auf den Inseln in Raja Ampat
Liebe Leute,
nun haben wir tatsächlich einen ganz guten Überblick über den R4-Archipel vor der Vogelkopfhalbinsel bekommen und sowohl einige der von einheimischen Papua geführten einfachen Homestays kennengelernt, sowie ein paar „Mittelklasse“ und „Highend“-Resorts.


Raja Ampat (die „Vier Könige“ – einst vier Inselkönigreiche bzw. Stammesgebiete) ist eine Wasserwelt von hunderten wie ins Meer geworfen wirkenden Kalksteininseln und -inselchen, mit dichtem grünem tropischem Urwald bewachsen, in welchem Kakadus, Nashorn- und Paradiesvögel um die Wette krächzen mit den vielfältigen melodischen Gesängen anderer buntschillernder Vögel und nachtaktiver Baumfrösche. Die Inseln sind gehobene Korallenriffe – und setzen sich unter Wasser natürlich als solche fort: Überall gibt es fantastische Tauch- und Schnorchelgründe, in denen man selber zum Fisch unter Fischen wird. Neben den Myriaden farbenfroher Rifffische, die die mit bizarren Formen aufwartenden Riffe wie Unterwasserstädte dicht bevölkern, beobachten wir Teufels-, Riff- und sogar Riesenmantas, die sich einen Spaß mit uns erlauben, wenn sie uns umsegeln (sie gelten als sehr intelligent). Dichte Fischschwärme unter dem Pier werden begleitet von den blütenartigen Flossen des Lionfishs, Riffhaie patroullieren an den Steilwänden, und wir bewundern die farben- und gestaltwandlerischen Fähigkeiten eines Oktopus, der sich vom dunklen „Vierbeiner“ zu einer hellen Koralle zu einem roten Kraken wandelt. Sepias wandern zwischen bunten See-Anemonen, die von Clownsfischen („Nemo“) bewohnt werden, Riesenmuscheln liegen in Kolonien am Grund, Grüne Meeres- und Karettschildkröten knabbern an Korallen und sogar ein Dugong (Seekuh) lässt sich beim Seegras-Grasen beobachten. Jeden Augenblick entdeckt man Neues und ist so fasziniert, dass man gar nicht raus will aus dem glasklaren Wasser, welches freundlicherweise auch warm genug ist, um einfach drin zu bleiben. Aber auch kleine urige Insel-Dschungelwanderungen zur Paradiesvogebeobachtung und wilden Sagopalmenbeständen konnten wir unternehmen – Worte wie „fantastisch“ oder „atemberaubend“ können diese Welt kaum angemessen beschreiben.




Die Homestays der Einheimischen sind sehr einfache palmblattgedeckte Bambushütten: Ein leerer Raum mit Matratze drin, mehr nicht – aber oft idyllisch am Strand oder gar auf Stelzen über das Wasser platziert. Freilich shared bathroom an Land: Ein Loch im Boden und ein Fass mit Wasser daneben mit Kelle, um damit im Loch nachzuspülen oder sich selber abzuduschen, aber kein Waschbecken oder ähnlicher „Luxus“. Die Verständigung mit den Gasteltern ist schwierig, da nur selten jemand (etwas) Englisch kann. Fragwürdige Hygiene – dafür relativ preiswert (aber keineswegs billig).



Ganz anders die (sehr wenigen) Highend-Resorts: Bungalows im einheimischen Stil oder als festes Holzhaus, aber geräumig und wertig eingerichtet, mit privatem Badezimmer vom Feinsten, oft mit Klimaanlage – hier wird mindestens Englisch, teils sogar Deutsch gesprochen und das Tauch- und Schnorchel-Equipment ist gepflegt, alles perfekt organisiert. Sehr teuer – aber auch nicht verwunderlich angesichts der Herausforderungen, einen solchen Betrieb in dieser Abgeschiedenheit und unter diesen klimatischen Bedingungen aufrecht zu erhalten.



Dazwischen gibt es wenig – aber auch das haben wir gecheckt: Je nach Standpunkt „nichts Halbes und nichts Ganzes“ oder halt „von Jedem etwas“: Rustikal, mit eigenem Badezimmer einschließlich Waschbecken, aber bei Weitem nicht die professionelle, gar vielsprachige Betreuung. Und preislich halt auch dazwischen.



Nun – ich werde etwas für den Freundeskreis zu finden wissen.. 🙂


Zwischendurch gab allerdings mein Handy seinen Geist auf: Es lässt sich nicht mehr laden – angeblich nass geworden (vermutlich Kondenswasser wg. der hohen Luftfeuchtigkeit).
Heute Sonntag 25.05. wurden wir wieder in Sorong abgesetzt, wo wir nun unseren Flug morgen sehr früh nach Jayapura abwarten: Denn schon morgen Montag Nachmittag geht es dann direkt weiter ins Hochland zu den Dani-Stämmen, mit einem (hoffentlich) zuverlässigen Guide. Apropos: Heute hatten wir auch einen neuen Agentur-Kontakt in Sorong, und wir fanden ein kabelloses Induktiv-Ladegerät für mein havariertes Handy: Ich bin jetzt also auch wieder online. 🙂
Jetzt erst mal Gute Nacht !!





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Pulau Fam, Sonntag 18.05.25
Die Lowlands: Bei den (ehemaligen!) Kopfjägern im Asmat
Liebe Leute,
unser Asmat-Abenteuer ist vorüber –
jetzt sitzen wir bereits an einem ruhigen Strand im Raja Ampat Archipel, und vor einer blauen Bilderbuchkulisse versuche ich, das Reisetagebuch zu aktualisieren.

Aber schön der Reihe nach:
Letzten Mittwoch und Donnerstag bereisten wir den Asmat – ein riesiges Waldgebiet im Süden Papuas, durchzogen von unzähligen Flüssen jeder Größenordnung, die durch das Schwemmland mäandern und als Wasserstraßen genutzt werden. Andere Zugänge gibt es nicht zu dieser Welt im NatUr-Zustand.

Früh treffen wir uns in TomToms Warung (Straßenküche) zu einem leckeren Bratfisch-Frühstück, dann brechen wir mit unserem Guide Wahyu und einem Bootsführer auf: Südlich von Agats gibt es einen schmalen Bypass in den benachbarten Flusslauf, der jetzt bei Ebbe nur langsam und vorsichtig zu befahren ist, da viele abgestorbene Baumstämme im flachen Wasser liegen. Mehrfach stößt der Außenborder unseres offenen „Kabriolets“ an solche Hindernisse, und teilweise wird das Boot vom Käpt’n mit einer langen Stange gestakt – was eigentlich besonders schön ist, da man ohne den Motorenlärm die Urwaldgeräusche (Vögel, Frösche, Zikaden etc.) besser hört. Mit zulaufender Flut wird das Manövrieren aber bald einfacher, und wir kommen motorisiert wieder schneller voran.


Der Bypass mündet in einen größeren Fluss, auf dem nun erst mal ordentlich Gas gegeben wird und wir die mäandernden Flussschlaufen durchschwingen. Gelegentlich wird abgebremst, wenn wir ein Einbaum-Kanu mit fischenden Asmat passieren: Sie grüßen stets dankbar freundlich herüber. Nach zwei Stunden kommt das erste Asmat-Dorf in Sicht: Ähnlich wie in Agats – nur noch sehr viel einfacher – stehen hier Hütten und Holzstege auf Pfählen im sumpfigen Mangrovenschlick. Die im Wasser spielenden Dorfkinder sind die ersten, die unsere Ankunft bemerken und sammeln sich neugierig um uns, dann erscheinen auch Erwachsene sowie eine indonesische Ärztin, mit denen unser Guide einige Worte wechselt. Da die Kids bei unserer Ankunft im Wasser tobten, sind sie zumeist nackt – die Erwachsenen in Shorts und T-Shirts aus Kleidersammlungen gekleidet. Wir werden ins Langhaus begleitet, in welchem sich gefühlt bald der ganze Stamm versammelt hat – wir sitzen alle auf dem Boden, die Ältesten uns direkt gegenüber, und unser Guide erklärt unser Begehr: Wir würden uns gern ein wenig im Dorf umsehen und auch schauen, wo man mit Gästen evtl. übernachten könnte.






Nachdem der Häuptling – ein freundlicher alter Mann – unsere Mitbringsel gecheckt hat, sagt er einige salbungsvolle Worte, und der ganze Stamm donnert ein gleichzeitiges „Huh!!“ heraus – was uns diesmal nicht mehr so erschreckt, da wir das ja schon vom letzten Jahr kennen. (Aber Eindruck hinterlässt es schon..!!)
Wir dürfen nun im Dorf herumspazieren, und die meisten Bewohner begleiten uns dabei, mich neugierig nicht aus den Augen lassend: Aliens sind hier noch seltener zu sehen als in der „Stadt“. Eine irgendwie anbietbare Schlafstelle, gar Toilette für Gäste findet sich freilich nicht – aber wir sind ja auch noch lange nicht durch..


Weiter geht’s auf den mal schmaleren, mal breiteren Wasserstraßen durch den Dschungel, und im Abstand mehrerer Stunden erreichen wir weitere versteckte Dörfer, in denen es jedes Mal ähnlich abläuft. Dabei ist einmal das Männerhaus besonders schön dekoriert, in einem anderen Dorf bietet man uns Handarbeiten an: Vor allem Tragetaschen aus Fasern, aber auch sehr schöne Holzschnitzereien, Steinäxte und Nasenknochen (also die Dinger, die sich ein „Kannibale“ quer durch die Nase zog, um noch furchterregender auszusehen). So einen angespitzten Knochen nehme ich mir mit – auch wenn ich zugeben muss, dass europäische Nasen mit den gewaltigen Zinken melanesischer Aboriginees nicht mithalten können.


Schließlich eine Überraschung: Mitten im Dschungel hat sich aus einem ehemaligen Militärposten ein kleiner Versorgungsstandort entwickelt, mit indonesischen Transmigranten, die einige Läden und Warungs führen, sowie einem kleinen aber feinen Hotel (!): Ich bin glücklich, eine einfache, aber doch anbietbare Schlafgelegenheit für uns und auch für Gäste gefunden zu haben – die Zimmerchen haben sogar jeweils eine kleine Nasszelle/Toilette!!



Der nächste Morgen findet uns bei einer Tasse Kaffee und Nasi Goreng in einem verschlafenen Warung, bevor es wieder in den Dschungel geht. Wir besuchen ein weiteres, besonders eindrückliches Dorf – dann geht es den ganzen Weg wieder zurück, wobei der Bypass heute bei Flut problemlos zügig zu passieren ist. In TomToms Warung gibt es ein leckeres Abschieds-Abendessen, und wir besprechen die Details etwaiger Gruppenbesuche: Der Programmpunkt „Tiefland-Stämme“ ist nun jedenfalls geklärt. 🙂
Am Freitag 16.05.25 erreichen wir den nur dreimal wöchentlich gehenden Buschflieger nach Timika, wo wir freilich den Direktflug nach Sorong verpassen und erst Samstag 17.05. über Jayapura nach Sorong, dem Tor nach Raja Ampat, weiter kommen. Die „Vier Könige“ (was Raja Ampat übersetzt heißt und meist R4 abgekürzt wird) sind ein weitgehend unberührtes Inselreich vor der Vogelkopf-Halbinsel im sogn. Korallendreieck, und einer der weltbesten Tauch- und Schnorchelspots in der artenreichsten Korallen-Unterwasserwelt unseres Planeten. Hier würde ich gern auch ein anbietbares Resort finden – leider liegt dieses Juwel derart weitab vom Schuss, dass es außer praller Natur entweder gar nix gibt – oder aber sehr teuer, da ja alles erst mühsam in diese entfernte Welt transportiert werden muss.


Daher sind wir heute Sonntag 18.05. früh mit der Personenfähre von Sorong nach Waisai, dem Hauptort in R4, gefahren, von wo es per Longboat zu von einheimischen Papua geführten sehr einfachen Homestays und den wenigen deutlich besseren, meist in ausländischer Hand befindlichen Resorts im Archipel weitergeht. Ein solches Longboat holte vorhin auch Phet und mich am Waisai-Pier ab und brachte uns zu unserer vorgebuchten Unterkunft, einem einfachen aber gemütlichen kleinen Homestay auf der Insel Fam. Die nette Papua-Eigentümerfamilie brät frisch gefangenen Fisch – spricht aber kein Wort Englisch, so dass wir uns nur mühsam mit Händen, Füßen und Google Translate verständigen können.


Von hier aus wollen wir in den nächsten Tagen versuchen, einige vielversprechende Resorts aufzusuchen in der Hoffnung, etwas Geeignetes für unseren Freundeskreis zu finden, bevor wir uns dann noch einmal ins Hochland aufmachen, wo wir ja mit unserem ersten Guide verabredet sind. Freilich ist die Internetverbindung – falls überhaupt mal vorhanden – hier so schlecht, dass die Bytes quasi einzeln durch die Leitung tröpfeln – aber wenn Ihr das hier lesen könnt, hat es ja irgendwann geklappt.. 🙂
Später mehr –
bis dahin ganz liebe Grüße aus der letzten Wildnis,
Thomas + Phet
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Agats/Asmat, Di. 13.05.25
Erneut in West-Papua
Liebe Leute,
nach Abschluss unserer letzten Freundeskreisreise nach Borneo, Komodo und Bali (s. dort im „Reisetagebuch„) blieben Phet und ich in Indonesien und befinden uns nun auf unserer (bereits zweiten) Inspektionsreise in Neuguinea, der „last frontier“ unseres Planeten mit schier undurchdringlichen, teils noch unerforschten Bergdschungeln und versteckt darin lebenden Naturvölkern. Nachdem wir im letzten Jahr zwar einzigartig einfache und dabei freundliche Menschen, aber keinen zuverlässigen Agenturkontakt vorfanden, wollen wir nun doch herausfinden, ob und ggf. wie man diese spannende Region organisiert bereisen kann.
Nach einem Nachtflug von Bali mit Zwischenlandung in Makassar, Sulawesi, waren wir am letzten Donnerstag 8.05.25 in Jayapura, der Hauptstadt von Indonesiens östlicher Provinz West-Papua gelandet, wo wir gleich am Flughafen im Stadtteil Sentani am gleichnamigen See ein Hotel bezogen: Wir kennen die Stadt vom letzten Jahr und müssen sie nicht erneut auskundschaften, aber wir treffen hier einige Kontakte von Reiseagenturen, von denen wir uns halbwegs zuverlässige Zusammenarbeit erhoffen.


Die Treffen verlaufen aufschlussreich und erfolgversprechend – inwieweit das belastbar ist, wird sich noch herausstellen müssen. Wir verabreden uns mit einem Führer für später in Wamena im Baliem-Hochlandtal, nachdem er zunächst eine Gruppe in Raja Ampat abgeschlossen hat. So haben wir Zeit, uns erstmal in den südlichen Lowlands des Asmat nach Nägeln mit Köpfen umzusehen.
Der Asmat ist die Region der früheren Kannibalen und Kopfjäger und heute weitgehend befriedet: Christliche Missionare haben dafür gesorgt, manches interkulturell abträgliche Verhalten nachhaltig zu ächten und die Ureinwohner zu guten Christen erzogen, die den Sonntag heiligen und keinen Alkohol trinken. In jedem Dorf des Asmat gibt es eine Kirche, meist zugleich das imposanteste und stabilste Haus des Ortes. Bereits im letzten Jahr hatten wir das Glück, einige dieser Dörfer kennenzulernen – dieses Mal wollen wir noch etwas weiter in die Wälder vordringen, vor allem aber auch hier einen zuverlässigen Kontakt sicherstellen.
Am Sonntag 11.05. fliegen wir von Sentani (Jayapura) an der Nordküste über das Zentralgebirge mit Sicht auf die Carstensz-Pyramide, dem m⁸it knapp 4.900m höchsten Berg Indonesiens und dem einzigen Gletscher des Landes nach Timika nahe der Südküste, einer wenig strukturierten Transmigrantenstadt als zivilisatorischer Brückenkopf vor den inzwischen zwar weitgehend bekannten, aber doch überwiegend unerschlossenen weitläufigen Küstendschungeln. Das von uns im vorigen Jahr ausgeguckte Hotel für etwaige Freundeskreisgruppen bewohnen wir diesmal selber und können es als tauglich bestätigen.

Gestern Montag 12.05. wird bei unserem Eintreffen am Flughafen von Timika gerade ein kirchlicher Würdenträger von einem komplett angetretenen Stamm in wilder Stammestracht empfangen – wir besteigen den Buschflieger nach Agats, der „Hauptstadt“ der Asmat-Region, nur mit Handgepäck (das übrige Gepäck haben wir im Hotel stationiert). Der Flug geht ca. eine Stunde über flachen endlosen Urwald mit enorm breiten wild mäandernden Flüssen darin. Bei Ankunft werden wir noch auf dem Flugfeld erstmal von zwei Uniformierten nach dem Zweck unseres Besuchs ausgefragt – ich bin der einzige Weiße und habe seit meiner Ankunft in Papua auch keinen anderen gesehen, während Phet immer für eine Indonesierin gehalten wird. Nachdem wir brav geantwortet haben, wollen die beiden dann aber doch nur ein gemeinsames Foto.


Wir ignorieren die überteuerten (elektrischen) Mototaxis und laufen zum Steg: Das kleine Flugfeld von Agats liegt auf einer Flussinsel – der Ort muss mit Taxibooten erreicht werden. Da gerade Flut ist, kann das Schnellboot, das aussieht wie ein Auto-Kabriolet (offen, viersitzig, vorn rechts der Fahrer am Lenkrad), quer durch die Mangroven abkürzen, und legt bald am Pier von Agats an.



Dieses Städtchen wird von Transmigranten – also von der indonesischen Regierung hierher befohlenen Bewohnern anderer indonesischer Inseln – bewohnt: Auf diese Weise versucht die Regierung, die melanesischen Papua im eigenen Land zu marginalisieren, indem sie Bewohner anderer, teils übervölkerter Inseln hierher umsiedeln lässt und so die Mehrheitsverhältnisse ändert. Papua kommen in solchen Wildwest-last-frontier-Städtchen nur als Bodensatz betelnusskauender Gelegenheitsarbeiter vor, die zwischen ihren Urwalddörfern und der Stadt pendeln. Die ganze Stadt (Häuser, Straßen, Stege, Wege) ist auf Stelzen in den Mangrovenschlick gebaut – bei Flut steht sie im Wasser. Autos gibt es keine (dafür wären die Stege auch zu schmal), aber enorm viel Motorroller. Die wiederum hier ALLE elektrisch fahren – es gibt daher keinen Verkehrslärm, was das Laufen einerseits verkompliziert, da die lautlosen Flitzer von hinten kommend nicht wahrgenommen werden. Andererseits ist man ausgerechnet in diesem abgelegenen und für seine angeblichen „Steinzeitmenschen“ bekannten Winkel der Welt der (elektrischen) Zukunft bereits erstaunlich nahe.


Auf dem Weg zum Hotel starren mich alle Einheimischen an, Kinder sammeln sich um mich: Ein Alien sehen sie hier selten. Wir treffen einige Freunde vom letzten Jahr und verabreden eine Tour ins Hinterland: Schon morgen Mittwoch 14.05. früh werden wir mit einem Boot aufbrechen und durch das Gewirr an Flüsschen und (natürlichen) Kanälen zu einigen versteckten Dörfern fahren – heute haben wir die Reise vorbereitet und auch die Gastgeschenke (Kaffee, Tabak, Reis, Zucker) eingekauft, die man dann im Dschungel den Dorfoberhäuptern übergeben muss, um Aufnahme zu finden.
Nach Rückkehr werden wir hier wieder berichten –
bis dahin gespannte Grüße, Thomas + Phet


